Ein Fake-Profil ist ein gefälschtes Benutzerkonto in einem sozialen oder beruflichen Netzwerk, das eine erfundene Identität – etwa als Recruiter, Kollege oder vermeintlicher Liebespartner – glaubwürdig darstellt und Angreifern als Werkzeug für Social Engineering oder Spear-Phishing dient.
Auf einen Blick
Anders als ein Bot-Konto ist ein Fake-Profil auf eine gezielte Ansprache angelegt und wird typischerweise über längere Zeit gepflegt.
Der eigentliche Angriff beginnt selten sofort mit einem Link: Zuerst kommt ein harmloser Kontakt, danach etwa ein Dokument oder Terminlink.
Zuverlässiger als äußere Merkmale ist die Rückfrage über einen zweiten Kanal – etwa eine Bestätigung auf der offiziellen Unternehmensseite oder ein Anruf unter einer bekannten Telefonnummer.
Was ist ein Fake-Profil?
Plattform und Rolle bestimmen den Zuschnitt eines Fake-Profils: Auf LinkedIn und XING tritt es als Recruiter oder Dienstleister auf, auf Instagram und Dating-Portalen als Privatperson mit ausgearbeiteter Vorgeschichte. Enttarnt werden solche Profile im Nachhinein – an einem entwendeten Profilfoto, an einem Lebenslauf ohne überprüfbare Stationen oder an Kontakten, die sich untereinander nicht kennen. Das Konto allein richtet noch keinen Schaden an; es dient als Eintrittskarte für den Chat, das geteilte Dokument oder den Terminlink, über den der eigentliche Angriff erfolgt. Fake-Profile sind zudem ein Baustein bei der Vorbereitung von Business Email Compromise, weil sie Angreifern echte Namen und Kommunikationsmuster für eine spätere gefälschte E-Mail liefern.
Für die Personalarbeit und den Vertrieb eines Versicherers verschiebt sich das Risiko dadurch in Richtung Erstkontakt: Ein angeblicher Headhunter, der einen Aktuar oder einen Sachbearbeiter der Bestandsführung anspricht, fragt nach eingesetzten Systemen, Migrationsprojekten und Teamstrukturen – Angaben, die einem späteren Angriff den Weg bereiten. Umgekehrt nutzen Täter fingierte Bewerberprofile, um Unterlagen mit Schadcode in Personalabteilungen zu platzieren, weil unbekannte Anhänge in Bewerbungsprozessen zum Arbeitsalltag gehören.
Wie funktioniert ein Fake-Profil?
Ein Fake-Profil entsteht nicht in einem Schritt, sondern reift: Erst wird das Konto glaubwürdig gemacht, dann das Kontaktnetz aufgebaut, und erst danach beginnt die Ansprache. Zur Glaubwürdigkeit gehören Profilbild, Werdegang und eine überschaubare Zahl an Beiträgen; entscheidender als der Inhalt ist, dass das Konto nicht neu wirkt.
Ein Kontaktnetz entsteht über Anfragen an Personen, die einander nicht kennen: Jede angenommene Verbindung macht die nächste wahrscheinlicher, weil das Profil dann gemeinsame Kontakte anzeigt. Erst mit diesem Umfeld wirkt die eigentliche Ansprache unauffällig, etwa als Anfrage eines Recruiters oder eines Dienstleisters. Der Angriff selbst findet danach außerhalb des Profils statt, im Chat, in einem geteilten Dokument oder in einem Termin, den der Kontakt vorschlägt. Für die Prüfung bleibt deshalb nur der Weg über die Stationen: Ein Arbeitgeber, ein Studienort oder ein Verein lässt sich unabhängig nachschlagen, während Bild, Beitragszahl und Kontaktnetz aus dem Aufbau des Kontos stammen. Diese Stationen sind der einzige Teil des Profils, der sich außerhalb der Plattform überprüfen lässt.
Fake-Profil vs. Bot-Konto
| Merkmal | Fake-Profil | Bot-Konto |
|---|---|---|
| Pflege | über Wochen von Hand, mit Beiträgen und Reaktionen | automatisiert, ohne individuelle Reaktion |
| Ziel | eine bestimmte Person oder Abteilung ansprechen | Reichweite, Likes, Verbreitung von Inhalten |
| Kontaktnetz | gewachsen, mit gemeinsamen Verbindungen | wahllos oder ohne echte Kontakte |
| Erkennbarkeit | erst im Gespräch, an fehlender Überprüfbarkeit | an Frequenz und gleichförmigem Verhalten |
Woran erkenne ich ein Fake-Profil?
| Signal | Was sich prüfen lässt |
|---|---|
| Profilbild ohne Treffer in der Bildersuche | Umgekehrte Bildersuche; ein erzeugtes Bild taucht nirgends auf, ein gestohlenes dagegen schon |
| Werdegang ohne überprüfbare Stationen | Arbeitgeber auf der offiziellen Unternehmensseite oder im Register nachschlagen |
| Kontakte kennen einander untereinander nicht | Gemeinsame Verbindungen ansehen: Ein echtes Berufsprofil hat ein zusammenhängendes Umfeld |
| Konto ist jung, aber gut gefüllt | Datum des ersten Beitrags mit dem angegebenen Werdegang vergleichen |
| Anfrage kommt mit konkretem Anliegen kurz nach Annahme | Bei einem angeblichen Recruiter über die offizielle Karriereseite gegenprüfen |
Schutz im Ernstfall
Vorbeugen
- Angaben zum eigenen Werdegang und Arbeitsplatz in sozialen Netzwerken zurückhaltend veröffentlichen, da Kriminelle sie für Täuschungsversuche sammeln können
- Vertrauliche Informationen über den Arbeitgeber oder die eigene Tätigkeit nicht in privaten oder beruflichen sozialen Netzwerken preisgeben
- Privatsphäre-Einstellungen des eigenen Profils nach der Anmeldung direkt anpassen, da Voreinstellungen oft nicht ausreichend geschützt sind
Was tun im Ernstfall
- Gerät und genutzten Zugang als betroffen behandeln, wenn Dokumente ausgetauscht oder ein Link geöffnet wurde
- Verlauf sichern, bevor das Profil blockiert wird
- In der Meldung angeben, welche Systeme, Projekte, Zuständigkeiten oder Vertretungen genannt wurden
- Profil der Plattform melden; bei geöffneten Bewerbungsunterlagen Vorgang in der Personalabteilung markieren und Datei nicht weiterreichen
Beispiele aus der Praxis
- Angeblicher Headhunter auf LinkedIn: Bei einem von ESET dokumentierten Lazarus-Angriff auf ein spanisches Luft- und Raumfahrtunternehmen kontaktierte ein gefälschter Meta-Recruiter Beschäftigte über LinkedIn und lockte sie mit einem Stellenangebot zu trojanisierten Coding-Challenges.
- Laut einer Pressemitteilung der Kreispolizeibehörde Borken vom Juli 2026 täuschten Betrüger einem Mann aus Ahaus über mehrere Monate im Internet mit Fotos und emotionalen Nachrichten eine Beziehung zu einer vermeintlichen US-Amerikanerin vor, bevor sie ihn wiederholt unter dem Vorwand angeblicher Notlagen um Geld baten.
- Vermeintlicher IT-Dienstleister auf XING: Ein Fake-Profil eines vermeintlichen IT-Dienstleisters kontaktierte Systemadministratoren eines Unternehmens auf XING und versendete unter dem Deckmantel eines Software-Updates einen Phishing-Link.
- Fingiertes Bewerberprofil bei einem Versicherer: Über ein Profil mit passender Berufsbiografie bewirbt sich ein angeblicher Kandidat auf eine ausgeschriebene Stelle in der Bestandsführung eines Versicherers. Er reicht Unterlagen mit eingebettetem Makro nach, die in der Personalabteilung geöffnet werden, sofern eingebettete Makros nicht durch Sicherheitsrichtlinien blockiert sind.
Die Varianten im Detail (1)
Fake-Identität Eine Fake-Identität ist eine erfundene oder synthetisch konstruierte Persona zur Erschleichung von Vertrauen.
Eine Fake-Identität bezeichnet eine erfundene oder synthetisch konstruierte Persona, die Angreifer für Social Engineering, Betrug oder die Unterwanderung von Netzwerken einsetzen, um Vertrauen zu erschleichen und Sicherheitskontrollen zu umgehen.