Definition

Ein Fake-Shop ist eine betrügerische E-Commerce-Website, die Kunden mit ungewöhnlich günstigen Angeboten zur Vorauszahlung per Überweisung bewegt und die bestellte Ware danach entweder gar nicht oder in deutlich minderer Qualität liefert.

Auf einen Blick

Betreiber setzen auf ungewöhnlich günstige Angebote, Vorauskasse und einen kurzen Betriebszeitraum, bevor die Website wieder verschwindet.

Handeln Betreiber bereits bei Vertragsschluss ohne Leistungswillen oder -fähigkeit, erfüllt dies in der Regel den Tatbestand des Eingehungsbetrugs (§ 263 des deutschen StGB); maßgeblich ist dabei nicht das spätere Ausbleiben der Lieferung, sondern der Vorsatz zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses.

Der kurze Betriebszeitraum kann die strafrechtliche Verfolgung erheblich erschweren, weil die Website bei Ermittlungsbeginn bereits abgeschaltet sein kann.

Was ist ein Fake-Shop?

Kurzlebigkeit prägt das Geschäftsmodell eines Fake-Shops: Die Website erscheint zu einem Anlass mit hoher Nachfrage – etwa nach einem Produktrückruf oder bei saisonal gefragten Artikeln wie Spielekonsolen zu Weihnachten – und wird nach wenigen Wochen abgeschaltet, bevor Beschwerden oder eine Strafverfolgung greifen können. Das Geschäftsmodell nutzt aus, dass Zahlungsarten mit Käuferschutz das Risiko für die Täter erhöhen: Betreiber verlangen die Zahlung per Vorkasse und liefern die bestellte Ware nach Zahlungseingang entweder gar nicht oder in deutlich minderer Qualität als beworben. Neben dem reinen Zahlungsbetrug sammeln manche Fake-Shops im Bestellprozess zusätzlich Namen, Adressen und Zahlungsdaten der Käufer, die sich für weitere Betrugsversuche wie Kreditkartenmissbrauch oder gezielte Phishing-Nachrichten nutzen lassen.

Nachgeahmte Vergleichsportale und Angebotsseiten imitieren bei Versicherern bekannte Marken, um Interessenten unter dem Vorwand eines besonders günstigen Tarifs zur Eingabe von Kontakt- und Bankdaten zu bewegen. Kundenserviceteams erhalten dadurch Anfragen verunsicherter Kunden, ob ein bestimmtes Angebot echt ist, obwohl der eigentliche Betrug auf einer Nachahmerseite stattgefunden hat. Ein solcher Datenabgriff wirkt für Betroffene zunächst unauffällig, weil die eigentliche Täuschung auf einer Nachahmerseite und nicht beim vertrauten Versicherer stattfindet. Ein Domain- und Impressumsabgleich wirkt zuverlässiger als ein professionell gestaltetes Layout.

Wie funktioniert ein Fake-Shop?

Ein Fake-Shop ist auf einen kurzen Betriebszeitraum gebaut: Domain registrieren, Shop-Vorlage aufsetzen, Produktbilder und Texte von echten Händlern übernehmen, Zahlung per Vorkasse verlangen und vor den ersten Beschwerden abschalten. Der Aufbau kostet wenig, weil Vorlagen und Zahlungsanbindung fertig verfügbar sind.

Der Zulauf entsteht über Preissuchmaschinen, Anzeigen und Marktplatzprofile, zugeschnitten auf einen Anlass mit hoher Nachfrage. Beim Bezahlvorgang verschwinden Verfahren mit Käuferschutz aus der Auswahl, sobald die Bestellung abgeschickt ist, sodass am Ende die Überweisung bleibt. Neben dem Kaufpreis fällt dabei ein zweiter Ertrag an: Name, Adresse und Zahlungsdaten des Bestellers, die sich für eine spätere gezielte Nachricht verwenden lassen. Impressum, Kontaktangaben und Gütesiegel lassen sich von echten Anbietern übernehmen, weshalb sie als alleiniges Prüfmerkmal nicht ausreichen. Nach der Abschaltung bleibt der Datensatz: Wer bestellt hat, steht auf einer Liste, die sich für eine Nachfassaktion nutzen lässt, etwa als angebliche Rückerstattung des verlorenen Betrags. Der zweite Kontakt wirkt dann glaubwürdig, weil er den ersten Vorfall kennt.

Fake-Shop vs. gehackter Händler-Account

Merkmal Fake-Shop Übernommenes Händlerkonto
Verkäufer existiert nicht, die Seite ist eigens angelegt existiert und hat eine Historie
Bewertungen kurz, gleichförmig oder von der Vorlage übernommen echt, aus der Zeit vor der Übernahme
Erkennbarkeit junge Domain, Vorkasse, unrealistischer Preis plötzlicher Sortimentswechsel und Zahlung außerhalb der Plattform
Wo der Kauf endet auf der eigenen Website des Betreibers auf dem Marktplatz, aber mit Zahlung daneben

Woran erkenne ich einen Fake-Shop?

Signal Was sich prüfen lässt
Preis liegt deutlich unter dem Marktniveau Denselben Artikel bei zwei etablierten Händlern vergleichen
Nach der Bestellung bleibt nur Vorkasse übrig Ein seriöser Shop nennt die Zahlungsarten vor dem Absenden und behält sie bei
Impressum ohne vollständige Anschrift oder mit Angaben eines anderen Unternehmens Firmenname und Registernummer im Handelsregister nachschlagen
Gütesiegel ist nur ein Bild Das Siegel anklicken: ohne Prüfeintrag beim Siegelgeber zählt es nicht
Domain ist erst wenige Wochen alt Registrierungsdatum über eine Whois-Abfrage prüfen

Schutz im Ernstfall

Vorbeugen

  • Auf eine Bestellung verzichten, wenn beim Bezahlen plötzlich nur noch Vorkasse möglich ist
  • Vor der Bestellung prüfen, ob vollständige und verständlich formulierte AGB vorhanden sind, und bei fehlenden AGB nicht bestellen
  • Vor der Bestellung Kundenbewertungen auf unabhängigen Bewertungsportalen oder über eine Suchmaschine recherchieren, nicht nur auf der Shop-Seite selbst

Was tun im Ernstfall

  • Rückholung anstoßen: bei Überweisung sofort die eigene Bank, bei Kartenzahlung den Kartenanbieter kontaktieren, bei Käuferschutz dessen Verfahren nutzen
  • Belege wie Bestellbestätigung, Zahlungsnachweis und Screenshots von Shop, Impressum und Angebotsseite sichern, da die Website kurzfristig verschwinden kann
  • Eingegebene Ausweis- oder Kontodaten als offengelegt behandeln und die betroffenen Zugänge absichern
  • Bei Nutzung der eigenen Marke auf einer Nachahmerseite die Kommunikation informieren, damit Kundenanfragen eine abgestimmte Antwort bekommen

Beispiele aus der Praxis

  • Ein Fake-Shop bietet aktuelle Spielekonsolen zu einem Bruchteil des Marktpreises an, verlangt Vorauskasse per Banküberweisung und verschwindet nach wenigen Wochen spurlos.
  • Betrüger richten nach einem Produktrückruf kurzfristig Fake-Shops ein, die Ersatzprodukte des betroffenen Herstellers anbieten und so gezielt verunsicherte Verbraucher ansprechen.
  • Auf einem großen Marktplatz erstellt ein Fake-Shop-Betreiber ein Händlerprofil mit gefälschten Bewertungen, kassiert Zahlungen für Elektronikartikel und liefert die Ware nicht.
  • Ein nachgebautes Vergleichsportal listet einen angeblichen Tarif eines bekannten Versicherers zu einem auffällig niedrigen Beitrag und sammelt bei der vermeintlichen Antragstellung IBAN sowie Ausweisdaten der Interessenten.