Definition

Ein Money Mule ist eine Person, die Geld aus illegalen Quellen über eigene oder eigens eröffnete Konten weiterleitet und dadurch wissentlich oder unwissentlich dazu beiträgt, dessen kriminelle Herkunft zu verschleiern und Geldwäsche zu ermöglichen.

Auf einen Blick

Kriminelle rekrutieren Money Mules über vermeintliche Heimarbeitsangebote mit einer Provision von wenigen Prozent der weitergeleiteten Summe.

Money-Mule-Konten werden häufig sehr schnell geleert: Laut einer RUSI-Analyse verließen rund 28 Prozent der Beträge das Konto binnen 15 Minuten.

Neben vorsätzlichem Handeln kann nach § 261 Abs. 6 des deutschen StGB auch leichtfertiges Nichterkennen der kriminellen Herkunft strafbar sein; eine bloß schuldlose Unkenntnis genügt dagegen nicht.

Was ist ein Money Mule?

Money Mules werden über zwei Hauptwege rekrutiert: gezielte Ansprache durch etablierte Betrugsnetzwerke oder scheinbar seriöse Stellenanzeigen für Heimarbeit, „Zahlungsagenten“ oder „Finanzmanager“, die keine einschlägige Erfahrung voraussetzen. Studierende und Arbeitssuchende gehören zu den von solchen Angeboten angesprochenen Zielgruppen. Nach der Anwerbung leitet die Person eingehende Überweisungen über ein eigenes oder eigens eröffnetes Konto weiter, gegen eine Provision, die laut Polizeilicher Kriminalprävention zwischen fünf und 20 Prozent der Summe liegen kann. Money Muling kann den Tatbestand der Geldwäsche nach § 261 des deutschen Strafgesetzbuchs (StGB) erfüllen. Auch ohne Vorsatz ist eine Strafbarkeit möglich, wenn die kriminelle Herkunft des Gegenstands leichtfertig nicht erkannt wird (§ 261 Abs. 6 StGB).

Täter, die über CEO-Fraud oder eine gefälschte Schadenmeldung eine Auszahlung erschleichen, leiten das Geld über ein Money-Mule-Konto weiter, bevor es im Ausland verschwindet. Bei Versicherern übersieht mitunter ein Sachbearbeiter der Schadenregulierung ein ungewöhnliches Empfängerkonto oder eine kurzfristig geänderte Bankverbindung und ermöglicht damit unbewusst diesen letzten Schritt. Internationale Kooperationen zwischen Ermittlungsbehörden zielen darauf ab, solche Konten frühzeitig zu identifizieren, bevor Gelder weitergeleitet werden. Zugleich rekrutieren Täter über gefälschte Stellenanzeigen gezielt Personen als Finanzagenten – ein Muster, das sich mit dem verwandten Phänomen Job-Scamming überschneidet.

Wie funktioniert der Einsatz von Money Mules?

Money Mules stehen am Ende der Kette: Sie nehmen Geld aus einer Betrugstat entgegen und leiten es weiter, wodurch die Spur zwischen Opfer und Täter unterbrochen wird. Die Anwerbung läuft über Angebote, die zum Alltag passen – Heimarbeit, Nebenverdienst, Zahlungsabwicklung – und verlangt keine Vorkenntnisse.

Nach der Anwerbung folgt der eigentliche Vorgang in engen Zeitfenstern: Eingang auf dem Konto, Weiterleitung per Überweisung, Barabhebung oder Kryptotransfer, meist innerhalb weniger Stunden. Für die weitergeleitete Summe wird eine Provision einbehalten. Mehrere Konten hintereinander erhöhen den Aufwand für die Rückverfolgung, weshalb dieselbe Person nur kurz eingesetzt wird. Für ein Unternehmen ist die Rolle dort relevant, wo eine erschlichene Auszahlung landet: Ein ungewöhnliches Empfängerkonto in einem Schadenfall ist der letzte Punkt, an dem die Kette noch auffällt. Für die Schadenregulierung heißt das, dass der letzte Prüfpunkt vor der Auszahlung zählt: Ein Empfängerkonto, das kurz vor der Zahlung geändert wurde, ist der Moment, in dem sich die Kette noch unterbrechen lässt.

Money Mule vs. Finanzagent im Stellenangebot

Merkmal Money Mule Regulärer Zahlungsjob
Konto das private Konto der angeworbenen Person Firmenkonto des Arbeitgebers
Vergütung Provision am weitergeleiteten Betrag Gehalt unabhängig vom Zahlungsvolumen
Tempo Weiterleitung innerhalb von Stunden Zahlungsläufe nach Buchhaltungsrhythmus
Nachvollziehbarkeit wechselnde Empfänger ohne Bezug zueinander Lieferanten und Vorgänge mit Beleg

Woran erkenne ich eine Money-Mule-Anwerbung?

Signal Was sich prüfen lässt
Tätigkeit besteht darin, Geld weiterzuleiten Kein Arbeitgeber wickelt Zahlungen über Privatkonten von Beschäftigten ab
Vergütung als Prozentsatz der Summe Ein Gehalt hängt nicht am Betrag, der durch das Konto läuft
Kontodaten werden früh verlangt Kontoverbindungen gehören in die Vertragsphase, nicht in die Bewerbung
Anweisung, das Geld sofort abzuheben oder umzutauschen Eile ist der Kern des Vorgangs, nicht der Aufgabe
Arbeitgeber ohne prüfbare Anschrift und ohne Registereintrag Firmennamen im Register und auf der offiziellen Seite nachschlagen

Schutz im Ernstfall

Vorbeugen

  • Angebote ablehnen, das eigene Konto für die Abwicklung fremder Zahlungen bereitzustellen
  • Unverlangte Jobangebote mit unüblich hoher Vergütung für wenig Aufwand als unseriös behandeln und nicht darauf eingehen
  • Für einen angeblichen Nebenverdienst nicht extra ein neues Bankkonto eröffnen oder Kontodaten an eine unbekannte Firma weiterleiten

Was tun im Ernstfall

  • Bereits eingegangenes Geld nicht weiterleiten, zuerst die Bank informieren
  • Belege sichern: Anweisungen, Chatverlauf, Anzeige und Kontaktdaten der Gegenseite
  • Im Unternehmen bei kurzfristig geändertem Empfängerkonto die Zahlung anhalten und über einen bekannten Kontaktweg bestätigen
  • Im Unternehmen nach einer erfolgten Auszahlung Bank und interne Meldestelle parallel informieren

Beispiele aus der Praxis

  • Laut Europol hängen über 90 % der bei den European Money Mule Actions identifizierten Geldtransfers mit Cyberkriminalität zusammen; die Gelder stammen unter anderem aus Business-E-Mail-Compromise- und CEO-Fraud-Betrug und werden über Finanzagenten (Money Mules) gewaschen, bevor sie weiter ins Ausland transferiert werden.
  • Bei EMMA 7 identifizierten Europol und Partner über 18.000 Money Mules; sie wurden unter anderem zur Geldwäsche aus Phishing, Business Email Compromise und weiteren Online-Betrugsformen eingesetzt.
  • Ein Student nahm ein vermeintliches Heimarbeitsangebot als Finanzagent an und leitete mehrfach Überweisungen weiter, ohne zu wissen, dass es sich um gestohlene Gelder aus Onlinebanking-Betrug handelte.
  • Ein Sachbearbeiter der Schadenregulierung übersieht bei einer Auszahlung eine kurzfristig geänderte Bankverbindung; das Geld landet auf dem Konto eines Money Mules, bevor es in mehreren Schritten ins Ausland weitergeleitet wird.